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Mitternachts Werkstatt

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Planen lässt sich alles und machen lässt sich einiges,

wenn du bereit bist, vieles von dem, was du planst, zu lassen.

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Theater:

Lust auf ein Theaterprojekt ist grundsätzlich immer vorhanden; an Ideen, einem konkreten Thema und Mitstreitern fehlt es derzeit. Interessenten sind gebeten,  jederzeit mit mir Kontakt aufzunehmen, um sich als Schauspieler oder mit einen konkreten Vorschlag, anzubieten, aus dem wir dann gemeinsam etwas entwickeln können.

Geplant ist weiterhin, Kontakte zu Veranstaltern in der näheren und weiteren Umgebung zu knüpfen, um mit den Theaterlesungen in die Region zu gehen.

Ebenso möchte ich dem Wunsch nach einem Ausbau meiner theaterpädagogischen Arbeit nachgehen. 


 

Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen.

Die im Irrtum verharren, das sind die Narren.

Friedrich Rückert


Im Folgenden einige Arbeitsproben aus unterschiedlichen Genres:

LYRIK & ANDERE TEXTE

 

HINZ ODER KUNZ?

 

Und täglich murrt das Grübeltier.

Wenn ich ihm sag: Was willst du hier?

Dann fragt es mich: Was gibst du mir?

Wie weiland Rumpelstilzchen.

 

Geb dir mein Herz und meinen Sinn

Du nimmst es unersättlich hin

Und frisst an meiner Seele

 

Sorgst mir an jedem neuen Morgen

Für alte und für neue Sorgen

Dass mir ja bloß nichts fehle.

 

Du schließt die Tür, dass es nicht zieht

Und spinnst dich ein in mein Gemüt

Wo du tagtäglich brütest:

Ein unerwünschter Parasit!

 

So sprech ich zu dem Grübeltier

Das grinst nur frech und sagt zu mir:

Ja, mir gefällt es halt bei dir,

weil du mich so behütest.

 

Wie könntest du mich hassen?

Doch wenn du meinen Namen rätst

Und mir ein Schweinekotelett brätst

Will ich dich wohl verlassen.

 

Heut also brau ich

morgen brat ich

Übermorgen aber rat ich

Grübeltieres blöden Namen

Den kein Teufel mir verrät

Wenn er auch im Dunst erscheint

Und laut im Zwiebelschneiden weint

Während schon sein Kotelett brät.

 

Von unten lodern heiße Flammen

Und werfen wechselvolles Licht

Auf mein verzweifeltes Gesicht:

Diesen Schmerz der ganzen Welt!

  

Was getrennt war wächst zusammen

Was in Tränen wächst zerfällt:

Grübeltiere gibt es nicht!

Aus und Schluss und Ende. Amen.

 

Nachtrag:

 

Ach wie gut, dass Hinz nicht weiß

Dass ich Kunz und Krempel heiß.

 

 

 

das lass sein

 

stumm sitzt die Familie beim Mondenschein

still schläft nebenan das Kindelein klein

die Mutter trinkt Bier, der Vater trinkt Wein

der Opa spielt siebzehnundvier

 

wär die Oma dabei, dann würde sie rauchen

und er würd nicht ganz so allein spielen brauchen

doch hat sie das Zeitliche längst schon gesegnet

im letzten April (es hat heftig geregnet)

 

stumm liegt sie nun bei dem Kindelein klein

nebenan im eichenen Särgelein

und wartet auf ihren Gemahl

 

die Mutter trinkt vier, der Vater trinkt ein

Bier zu dem Wein und die Mutter nickt ein

 

um siebzehnnachvier dann schlägt Opa die Stunde

er spielt mit Freund Hein seine letzte Runde

der Gegner gewinnt wie gewohnt die Partie

und Opa verliert entspannt wie noch nie

 

der Sarg ist breit, die Oma schmal

der Opa legt rasch sich schon neben sie mal

na endlich, ruft sie, bist wieder bei mir

jetzt spieln wir in Ewigkeit  siebzehnundvier!

 

(von der Großeltern Krach

wird der Enkel wach)

 

das Kindelein schreit, weil das Leben fatal

nebenan wird gekotzt, denn das Bier schmeckte schal ...

 

 

 

Frühlingsgedacht 

(Spät rechts geschrieben)*

Grün und Blüten haben längst ausgetrieben 

der Mai ist bereits erschienen

(gekommen sagt man ja nicht mehr

da erntet man nur zweifelhaftes Weiterdeuten)

und unterm Maibaum schlagen sie mal wieder kräftig aus –

das Einzige wozu die dann noch Bock haben nach all dem süßseligen Bier

das sie die ganze liebe lange Nacht lang so maßlos massenhaft maimächtig

in sich hinein schütten bis alle Lampen an sind –

 

doch würden sie sich nicht dergestalt einkeilen

und sich gegenseitig sämtliche Glocken anschlagen

könnten sie wahrscheinlich gar nicht so viel kotzen wie sie saufen möchten

 

die Dinge sehen eben meistens ganz anders aus

wenn man mal die Alternativen betrachtet

denken Sie beispielsweise nur an die Stadtmusikanten nicht wahr

lieber mal viermal vier Esel Katze Hund und Hahn ertönen lassen

als sich auch nur einmal eine folkloristische Panflötenkapellenoffensive in der

Fußgängerzone oder den Musikantenstadl im Ersten

um die frisch gewaschenen Ohren zu hauen 

dann schon lieber Frühling bis zur Sommergrippe!

 

Auch die Zwitschern hört man lustig in den Bäumen herum vögeln –

na was? Wenn der Mai sich schon die Mühe macht

und nun doch endlich kommt ... !

 

Während der Zitronenfalter

seiner mühseligen ernsthaften Arbeit nachgeht

die bei ihm

in der heiteren Beschwingtheit seines allerdings sehr nüchtern

zielgerichteten Umherflatterns durch die grün sprießende Gegend

so leicht aussieht

(und jeder der schon einmal selbst eine Zitrone zu falten versuchte

weiß was für eine knifflige um nicht zu sagen:

schier unlösbare Aufgabe das für unsereinen ist!)

wiegt sich ein ganz seltener vierblättriger Klee

in seiner frühlingshaften Glückseligkeit

die mit jedem weiteren Lenztag versickert

wie ein Mittsommernachtsregen am Abend

bis der grüne Klee im Sommer schließlich schmerzlich erfahren muss

dass trotz seiner Besonderheit und von der Natur gegebenen

Außergewöhnlichkeit niemand wirklich Notiz von ihm genommen hat

er persönlich auf keinem wichtigen Titelblatt erschienen ist

dafür aber Myriaden belangloser Karikaturen von ihm im Umlauf sind

billige Kopien seiner selbst

die vorgeben zu sein was sie nicht sind und alles sind was er nicht ist und

niemals zu sein beabsichtigt

und es ihm allmählich dämmert dass spätestens bis zum Herbst hungriges Vieh

ihn zwischen den Zähnen zermalmt haben

oder schlimmer noch:

er von einem elektronischen Sensenmann abgemäht

oder noch schlimmer:

durch achtlos unwissende Plattfüße sinnlos breit getreten wird

oder zum größten Unglück:

dazu bestimmt ist, unerkannt und niemandem Glück bringen dürfend

zwischen all dem gemeinen dreiblättrigen Kleevolk im kalten Winter zu erfrieren

und jämmerlich eingehen zu müssen 

 

nur: was nützt der Frühling in Gedanken

wenn ein Gefühl noch keinen Sommer macht aber

(und das sollte uns nicht trösten sondern viel mehr beglücken)

am Ende sieht doch alles wieder ganz Anfang aus

 

Erdacht & zu Papier gebracht

vom Herrn Johannes Mitternacht

  

*Der oben rechts eingerichtete Untertitel entspricht nicht ganz der Wahrheit. Zwar ist der Autor Rechtshänder und Spätentwickler und hat dieses Gedicht genau so wenig mit Links gemeistert wie alles Andere in seinem Leben, und in der Tat wurden die ersten Worte mit Rechts in die Tastatur des auf einem Spaziergang am letztmöglichen Spätapriltag mitgeführten Mobiltelefons getippt, aber dann – und nun kommt das entscheidende Detail dieser nicht unbedingt notwendigen Anmerkung – wurde der Text beidhändig in die Tastatur des verarbeitenden Rechners eingegeben! So, jetzt wissen Sie auch darüber Bescheid.

 

 

 

Der Igel mit dem Striegel

 

Es war einmal ein Igel,

der stand mit seinem Striegel

vorm Badezimmerspiegel.

 

Da fiel beim Kämmen mit dem Striegel

dem eitlen Igel vor dem Spiegel

ein Zacken aus der Krone.

 

Und schwer wie ein Ziegel

traf ihn der Schlag!

 

O weh! schrie der Igel

und schaute im Spiegel

auf Zacken und Striegel.

 

Was für ein Tag!

 

Doch erspähten die Augen von unserem Igel

beim forschenden Blick in den blanken Spiegel

auf Krone, auf Zacken und auf seinen Striegel

die Wahrheit des Falls dieses Falles;

 

(die hatte überdies seine Igelnase

längst in der Zackenabbruchphase

spürsinnig schon gerochen!)

 

und Igelauge und Nase

meldeten hinter der Igelstirn

die Botschaft ins Igelhirn:

 

Da ist gar kein Zacken aus der Krone gebrochen!

Aber vorne vorm Spiegel

liegt ein Zacken vom Striegel!

 

Also sprach der Igel

verzweifelt zu seinem Spiegel:

Mein Striegel

hat jetzt eine Macke –

ihm fehlt jetzt diese eine Zacke.

So eine verdammte

Mesalliance ...!


Sprach der Spiegel

zum Igel:

Jetzt lass das Geschrei,

was ist schon dabei?

Dann kämmst du deine Krone

in Zukunft eben ohne.

 

Doch der Igel kämmte nicht,

er grämte sich

ganz fürchterlich

und kämpfte schlicht

– um Contenance.

 

Eine nette, liebe Igel-

freundin hat darüber nur gelacht;

hat ihrem Freund mit den gezackten Igeltollen

in seinem kleinen, lichten spiegelvollen

Igelheim dann ein Geschenk gemacht:

nämlich einen neuen Striegel,

rund und vollzählig gezackt,

bunt und wunderhübsch verpackt.

 

O, wie glücklich war der Igel!

Er freute sich bis in die letzte Zacke,

lief schnell zum Badezimmerspiegel,

in der Hand den neuen Striegel

und pflegte seine alte Macke.

 

Fazit:

Wie glücklich ist doch ein Narzisst,

wenn er so gut befreundet ist 

 

 

*

 

Es ist viertel nach früh in der Fünf.

Ich lerne fern und schaue einen Text,

liege im Schlaf und kann doch nicht betten.

Köpfe ziehen mir durch den Gedanken;

sie enden keinen Fund.

 

Es ist etwas Menschliches um den Seltsamen!

Da tagt er sein Bringen dahin,

glückt auf ein kleines bisschen Hoffnung

und stirbt kaum, dass er ahnend ist.

Wie zukunftsvoll blickt er in die Sorge, 

wie tunlich ist all seine Angst!

Und immer geht er, sie würde nie vermeinen.

 

Dass das nicht weiß ist, das wahr er im Ganzen grund genau.

Kenntlich schließt er die täglichen Glücke, die stündlichen Frohen,

die er verbrachts bereiten durfte. Wie vergisst er sie können?

Gleich verleiden sie ihm im Sink, wenn er den Griff nicht in die Lage bekommt.

Er rechtet, das Leben sei ungesagt zu ihm, dabei ist er es, der ungelebt zum Rechten ist!

Ich verlange mich manchmal, was er fragt?

Ich erwarte, was wir wissen möchten?

Und ich nehme aus, dass sich da keiner behaupten kann!

Ist doch uns von jedem mal ein irgendwann das Lasten ein Leben!

Wer leugnete das wollen?

Und: zu wo?

 

Selbstbetrug drängt es zum Manchen mögen.

Und es mag erleichtert, ob es ihm das Dahinstellen erleben sei, nicht oder.

Ständlich das ist völlige Leben ganz unverschlossen.

Einem sinnt an noch da wer Zweifel?

Keiner kann das!

Und doch viel es so gebe.

Verstehe nie das werden.

Verstehe vieles so nicht werden.

 

Abschließend ein kabarettistischer Schlagabtausch für zwei Darsteller, ein Beispiel aus den Anfängen meiner Schriftstellerei:

 

      EIN STELLENGESUCH

-         Halt!

-         Halt?

-         Halt.

-         Na, wenn Sie meinen, dann halt ich halt.

-         Ist auch besser so. Was machen Sie hier?

-         Stellen Sie sich vor, ich stelle Ihrer Tochter nach!

-         Kann ich mir vorstellen. Dass man ihr nachstellt, meine ich. Aber das ausgerechnet so einer

          wie Sie ihr nachstellt, kann ich mir nicht vorstellen.

-         Man stelle sich vor.

-         Sie stellen Ihr nach!

-         Das stellen Sie fest.

-         Nun stellen Sie´s ein!

-         Was soll ich einstellen?

-         Ihr Gerede!

-         Wie soll ich das anstellen, dass ich es einstelle, wo Sie feststellen, dass ich Ihrer Tochter

          nachstelle?

-         Wen stellen Sie überhaupt dar, dass Sie meiner Tochter nachstellen?

          Stellen Sie sich erst einmal vor.

-         Ach, wissen Sie, ich stelle doch lieber nach …

-         Sie sollen sich nicht verstellen, sondern vorstellen!

-         Ich schlage vor, ich stelle nach, dass ich mich vorstelle.

-         Auf der Stelle stellen Sie sich vor!

-         Ich stelle fest: wir treten seit geraumer Zeit auf der Stelle mit dem Vorstellen.

-         Hier geht es um Ihr Nachstellen!

-         Ich denke, um mein Vorstellen?

-         Weil Sie meiner Tochter nachstellen, sollen Sie sich vorstellen!

-         Könnten wir das eventuell hintenanstellen?

-         Sie wollen wohl alles hintenanstellen!

-         Wie Sie feststellen.

-         Sie sollen sich jetzt endlich vorstellen!

-         Vielleicht stellen Sie sich zuerst vor?

-         Ich? Ich bin Ihr Vater.

-         Man stelle sich vor.

-         Und wen stellen Sie dar?

-         Ihren Nachsteller.

-         Sie sind ein Versteller!

-         Und Sie ein Feststeller!

-         Hintenansteller!

-         Vorsteller!

-         Nachsteller!

-         Sag ich doch!

-         Also, ich stelle Ihnen jetzt frei, sich auf der Stelle davonzumachen, sonst werde ich mit Ihnen

          etwas anstellen, was Sie sich nicht vorstellen können!

-         Ich stelle fest: Ihrer Tochter nachzustellen, ohne sich Ihnen vorzustellen ist nicht anzustellen.

-         Ich habe das Gefühl, Sie wollen mich kaltstellen!

-         Das wollen Sie mir unterstellen?

-         Sie, mir langt es! Nicht nur, dass Sie meiner Tochter nachstellen und sich nicht vorstellen,

          sich anstellen, wenn ich Sie frage, wen Sie darstellen – nein, ich muss auch noch feststellen:

          Sie wollen mich kaltstellen, indem Sie alles hintenanstellen und Ihr fürchterliches Gerede nicht  

          einstellen; ich weiß nicht, wie Sie es anstellen, sich so zu verstellen, aber ich muss Ihnen

          unterstellen, dass Sie mich ganz konfus stellen!

-         Jetzt stellen Sie sich doch nicht so an …

-         Ich stelle mich nicht an! Sie haben meiner Tochter nachgestellt …

-         … und mich nicht vorgestellt …

-         … sondern sich verstellt …

-         … und hintenangestellt …

-         … das Reden nicht eingestellt …

-         … und es so angestellt …

-         … dass Sie mich kaltgestellt! - Ich halt das nicht mehr aus … - - - Sagen Sie mal, Sie:

           Was haben Sie eigentlich für eine Stelle?

-         Ich arbeite im Stellwerk als Weichensteller.

-         Kann ich mir vorstellen.

-         Und was haben Sie für eine … – n Beruf?

-         Oh, ich … Moment mal, das stellt Sie gar nichts an!

-         Bitte was?

-         Stellen Sie sich nicht stellig! Sie verstellen doch genau, was ich stelle!

-         Was hab ich nur angestellt? Bei Ihnen im Kopf hat sich wohl etwas verstellt?

-         Das ist maßlos unterstellt!

-         O nein! Was ich hier angestellt wird hiermit eingestellt, die Stelle abbestellt, das Kalte

          warmgestellt und hintenangestellt, dass ich ihr nachgestellt und mich hier hingestellt,

          wo Sie dann festgestellt, dass ich ihr nachgestellt, die Verbindung hergestellt und

          mir dann unterstellt …

Pistolenschuss.

-         Abgestellt!

© Jens Ullmann, 1988   

 

 *

 

Johannes Mitternacht STTS * (Jens Ullmann, Schreibtischler & Theaterschmied)